Welcher CM-Wert gilt für welchen Estrich?
Die CM-Messung zeigt, wie viel Restfeuchte ein Estrich noch hat. CM steht für Calciumcarbid-Methode: Eine zerkleinerte Estrichprobe reagiert in einer Druckflasche mit Calciumcarbid, dabei entsteht das Gas Ethin, und der Druck verrät, wie viel Wasser die Probe enthielt. Das Ergebnis heißt CM-Prozent. Ein Belag darf erst darauf, wenn der Wert unter dem Grenzwert liegt. Dann ist der Estrich belegreif.
Für Zementestrich gilt als Richtwert 2,0 CM-Prozent, mit Fußbodenheizung 1,8. Für Anhydritestrich gilt 0,5, beheizt wie unbeheizt. Die Verbände der Boden- und Parkettleger empfehlen strengere Werte: unter Parkett bei Zementestrich 1,8 unbeheizt und 1,6 beheizt, und bei beheiztem Anhydritestrich unter Parkett, Laminat, textilen und elastischen Belägen 0,3. Für Fliesen nennt die Zementindustrie 2,0, im Dickbett (einer dicken Mörtelschicht) 3,0 CM-Prozent. Die Tabelle zeigt alle Werte.
| Belag und Messart | Zementestrich unbeheizt | Zementestrich beheizt | Anhydritestrich unbeheizt | Anhydritestrich beheizt |
|---|---|---|---|---|
| Textile und elastische Beläge, Laminat, modulare Beläge, Probe über die ganze Dicke (Verlegerverbände) | höchstens 2,0 | höchstens 1,8 | höchstens 0,5 | höchstens 0,3 |
| Parkett, Probe über die ganze Dicke, Estrich bis 65 Millimeter dick (Verlegerverbände) | höchstens 1,8 | höchstens 1,6 | höchstens 0,5 | höchstens 0,3 |
| Parkett, Probe aus der unteren Hälfte (Verlegerverbände) | höchstens 2,0 | höchstens 1,8 | höchstens 0,5 | höchstens 0,3 |
| Richtwert der Norm für Estrich | 2,0 | 1,8 | 0,5 | 0,5 |
| Keramische Beläge wie Fliesen (Zementindustrie) | 2,0 | 2,0 | keine Angabe | keine Angabe |
| Fliesen und Naturstein im Dickbett, dampfdurchlässige textile Beläge (Zementindustrie) | 3,0 | 3,0 | keine Angabe | keine Angabe |
Bei beheiztem Anhydritestrich streitet die Branche. Die Norm für Estrich hat den Wert von 0,3 auf 0,5 CM-Prozent angehoben, laut Bundesverband der Gipsindustrie eine Rückkehr zu einem früher genormten Wert. Die Verbände der Boden- und Parkettleger bleiben unter Parkett, Laminat, textilen und elastischen Belägen bei 0,3. Welcher Wert für Ihren Boden gilt, legen Sie im Auftrag fest.
In 10 Schritten zum CM-Wert
Der Ablauf der CM-Messung ist genau festgelegt, weil jede Abweichung den Wert verfälscht. Feuchteverlust beim Zerkleinern senkt ihn, zu grobes Korn senkt ihn, und zu frühes Ablesen senkt ihn auch.
- Gerät prüfen: Eine Kalibrierampulle mit 1,00 Gramm Wasser darf höchstens 50 Millibar abweichen. Dichtung, Druckanzeige, Sauberkeit und der vollständige Satz Stahlkugeln müssen stimmen, die Waage muss auf 0,1 Gramm genau wiegen.
- Probe entnehmen: gleichmäßig über die gesamte Estrichdicke an der ausgewiesenen Messstelle, bei Heizestrich nur dort. Vor Parkettarbeiten ist auch die Entnahme aus der unteren Hälfte üblich, dafür gelten eigene Werte. Arbeiten Sie schnell, nicht in Sonne oder Zugluft.
- Vorzerkleinern: Zerschlagen Sie die Probe im Beutel mit dem Hammer, bis kein Bruchstück größer als 10 Millimeter ist. Füllen Sie sie dann in einen zweiten Beutel um und mischen Sie sie durch Schütteln.
- Einwiegen: 100 Gramm bei Anhydritestrich, 50 Gramm bei Zementestrich, mit einem Trichter in die Flasche, in der die Stahlkugeln schon liegen.
- Carbid zugeben: Halten Sie die Flasche schräg, lassen Sie die Calciumcarbid-Ampulle hineingleiten, verschließen Sie die Flasche und schütteln Sie 2 Minuten kräftig.
- Ablesen: Schütteln Sie 5 Minuten nach dem Verschließen eine weitere Minute und nach 10 Minuten noch einmal etwa 10 Sekunden. Lesen Sie dann sofort den Druck ab. Ein späterer Druckanstieg zählt nicht.
- Umrechnen: Rechnen Sie den Druckwert mit der Umrechnungstabelle des Geräts in CM-Prozent um und tragen Sie beides ins Protokoll ein.
- Flasche vorsichtig öffnen: Sie steht unter Druck, und das entstandene Ethin ist hochentzündlich. Halten Sie Zündquellen fern und atmen Sie das Gas nicht ein.
- Probe prüfen: Bindemittel und Carbid müssen pulverisiert sein, Sand und Kies in einzelnen Körnern. Ist die Probe nicht fein genug, wird die ganze Messung wiederholt.
- Aufräumen: Reinigen Sie das Gerät, lassen Sie das Prüfgut mit etwas Wasser abreagieren (Schutzbrille, es entsteht ätzender Kalk) und entsorgen Sie es als Bauschutt.
Wie viele CM-Messstellen braucht Ihr Estrich?
Eine Messung je Haus reicht nicht, und eine Messung je Quadratmeter wäre Zerstörung. Bei Heizestrich müssen die Messstellen vorher im Plan stehen und auf der Baustelle markiert sein, damit die Probe kein Heizrohr trifft.
- Anzahl bei allen Estrichen: Bis 100 Quadratmeter genügen 1 bis 2 Messungen, darüber 1 Messung je 200 Quadratmeter. In mehrgeschossigen Gebäuden braucht es mindestens 1 Messung je Etage, in Gebäuden mit mehreren Wohnungen mindestens 1 je Wohnung.
- Messstellen bei Heizestrich: je Raum mindestens 1, in Räumen über 50 Quadratmeter mindestens 2, bei Flächen über 200 Quadratmeter 3 je 200 Quadratmeter.
- Lage bei Heizestrich: Der Heizungsplaner legt die Stellen im Plan fest, der Verleger der Dämmschicht prüft sie vor Ort, der Heizungsbauer markiert sie, und der Estrichleger übernimmt sie. Sie liegen dort, wo der Estrich am dicksten, die Lüftung am schlechtesten und die Heizleistung am geringsten ist.
- Abstand zum Rohr: Im Umkreis von 10 Zentimetern um den Messpunkt, also auf 20 Zentimeter Durchmesser, darf kein Heizrohr liegen.
- Zeitpunkt bei Heizestrich: erst nach dem Belegreifheizen, bei dem der Estrich gezielt weiter ausgetrocknet wird, am erkalteten Estrich und mit vorliegendem Aufheizprotokoll. Je Messstelle ist nur eine Messung möglich, danach ist die Stelle verbraucht.
Für ein Einfamilienhaus mit Fußbodenheizung heißt das in der Praxis: mindestens eine markierte Stelle je Raum, im großen Wohn-Ess-Bereich zwei, alle vor dem Estricheinbau im Plan.
Diese 12 Angaben gehören in ein CM-Protokoll
Ein CM-Wert ohne Protokoll ist ein Gerücht. Eine Vorlage bietet die Technische Kommission Bauklebstoffe an, dazu empfiehlt sie Fotos. Das Protokoll muss festhalten:
- Gebäude, Bauabschnitt, Stockwerk oder Wohnung und die Messstelle, etwa als Nummer in einem Lageplan.
- Wer die Bodenbelags- oder Parkettarbeiten beauftragt hat, mit Ansprechpartner.
- Aufbau: Estrich oder Heizestrich, auf Dämmschicht oder auf Trennschicht, Fußbodenheizung ja oder nein.
- Bindemittel: Normalzement, Schnellzement oder Calciumsulfat, dazu Datum des Estricheinbaus und Dicke in Millimetern.
- Datum der Messung, Prüfer, Lufttemperatur, relative Luftfeuchte und Oberflächentemperatur des Estrichs.
- Bei Fußbodenheizung: Aufheizprotokoll vorhanden ja oder nein, Messstellen gekennzeichnet ja oder nein.
- Entnahmeort der Probe: über die ganze Dicke oder untere Hälfte, dazu die Estrichdicke an der Messstelle.
- Einwaage in Gramm, Anzeige der Druckanzeige in bar und Ergebnis in CM-Prozent.
- Bewertung: Wassergehalt in CM-Prozent und ob der Grenzwert eingehalten ist, ja oder nein.
- Anmerkungen, etwa zu Auffälligkeiten der Probe oder des Geräts.
- Unterschrift des Prüfers und des Bauherrn.
- Fotos von Messstelle, Probe, Waage und Druckanzeige.
Die Oberflächentemperatur gehört hinein, weil sie über die Aussagekraft entscheidet. Liegt die Oberfläche weniger als 3 Grad über dem Taupunkt der Raumluft, trocknet der Estrich nicht, sondern nimmt Feuchte auf.
Wer für trockenen Estrich sorgt und wer ihn prüft
Die Zuständigkeit ist geteilt, und genau das führt auf Baustellen zum Streit. Dafür sind Sie als Bauherr zuständig: Sie müssen dem Bodenleger einen Estrich übergeben, auf dem er ordentlich arbeiten kann. Der Estrich muss dafür belegreif sein. Ob er es ist, prüft aber der Bodenleger. Ist der Untergrund nicht trocken genug, muss er Bedenken anmelden, also schriftlich mitteilen, dass er so nicht verlegen will.
Der Bodenleger ermittelt den CM-Wert, bewertet ihn aber nicht selbst gegen die Belegreife, weil er die Zusammensetzung des Estrichs nicht kennt. Die erste CM-Messung ist im Preis des Bodenlegers enthalten. Jede weitere kostet extra, das Portal Listando nennt 60 bis 120 Euro je Messung (Stand 14. August 2026). Wer den Estrich zu früh zur Prüfung freigibt, zahlt also die zweite Messung. Wie es weitergeht, wenn der Wert nicht erreicht wird, erklärt der Ratgeber Estrich zu feucht, was tun.
Wurde die Messung nach Vorschrift gemacht, mit richtiger Einwaage, Korn bis 10 Millimeter, Ablesung nach 10 Minuten und fein zerkleinerter Probe?
Ist es ein Heizestrich?
Liegt ein vollständiges Aufheizprotokoll mit Funktions- und Belegreifheizen vor?
Heizen Sie weiter oder trocknen Sie technisch, und messen Sie dann an einer neuen Messstelle. Der Bodenleger meldet Bedenken an, und die Wartezeit geht zu Ihren Lasten.
Holen Sie das Heizen zuerst nach und protokollieren Sie es. Ohne Aufheizprotokoll muss der Bodenleger ohnehin Bedenken anmelden, egal welcher Wert gemessen wurde.
Lüften Sie weiter, bei Bedarf mit Kondensationstrockner, und lassen Sie danach erneut messen. Die zweite Messung kostet extra.
Wiederholen Sie die Messung. Zu grob zerkleinerte Proben, zu frühes Ablesen und Feuchteverlust beim Zerkleinern verfälschen das Ergebnis, es ist dann unbrauchbar.
Warum der CM-Wert allein nicht reicht
Belegreif ist ein Untergrund, wenn er einen Belag dauerhaft und ohne Schäden tragen kann. Drei Dinge bestimmen das bei neuen Estrichen: genug Trockenheit, genug Festigkeit und ein abgeschlossenes Schwinden, also das Zusammenziehen beim Trocknen. Die CM-Messung sagt nur etwas über die Trockenheit. Ein Estrich mit 1,7 CM-Prozent, der noch schwindet, ist nicht belegreif. Wie lange die Trocknung dauert, zeigt die Trocknungszeit-Tabelle je Estrichart.
Die anderen Punkte prüft der Bodenleger mit üblichen Verfahren, etwa mit Gitterritz, Hammerschlag und Wassertest. Bei Heizestrich kommt das Aufheizprotokoll dazu, weil der Estrich beim Aufheizen seine Längenänderung vorwegnimmt.
Neben der CM-Methode gibt es die KRL-Methode, bei der die relative Luftfeuchte über einer Estrichprobe in einem geschlossenen System gemessen wird. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft nennt als Zielwerte 80 Prozent relative Feuchte, bei beheizten Estrichen 75 Prozent. In Deutschland ist die CM-Methode das anerkannte Baustellenverfahren, und die Verlegerverbände empfehlen sie ausdrücklich.
Häufige Fragen
Welcher CM-Wert gilt für Zementestrich?
Zementestrich ist belegreif bei höchstens 2,0 CM-Prozent, mit Fußbodenheizung bei 1,8. Unter Parkett verlangen die Verlegerverbände bei einer Probe über die ganze Dicke 1,8 und beheizt 1,6. Für Fliesen nennt die Zementindustrie 2,0 und im Dickbett 3,0 CM-Prozent.
Welcher CM-Wert gilt für Anhydritestrich?
Anhydritestrich (Calciumsulfatestrich) ist belegreif bei höchstens 0,5 CM-Prozent, beheizt wie unbeheizt. Die Verbände der Boden- und Parkettleger empfehlen auf beheiztem Anhydritestrich unter Parkett, Laminat, textilen und elastischen Belägen weiterhin höchstens 0,3 CM-Prozent.
Wie funktioniert eine CM-Messung?
Bei der CM-Messung wird eine Estrichprobe auf höchstens 10 Millimeter zerkleinert und mit einer Calciumcarbid-Ampulle in einer Druckflasche geschüttelt, 50 Gramm bei Zementestrich, 100 Gramm bei Anhydritestrich. Das Wasser der Probe reagiert mit dem Carbid zu Ethin, und der Druck nach 10 Minuten ergibt den Wert in CM-Prozent.
Wer macht die CM-Messung am Estrich und wer bezahlt sie?
Die CM-Messung macht der Bodenleger oder Parkettleger. Die erste Messung ist im Preis enthalten, jede weitere kostet extra, nach Listando 60 bis 120 Euro. Dass der Estrich belegreif ist, müssen Sie als Bauherr sicherstellen, und Sie sollten dem Bodenleger auch den Grenzwert vorgeben.
Wie viele CM-Messstellen braucht ein Heizestrich?
Ein Heizestrich braucht mindestens eine ausgewiesene Messstelle je Raum, in Räumen über 50 Quadratmeter mindestens zwei und bei Flächen über 200 Quadratmeter drei je 200 Quadratmeter. Im Umkreis von 10 Zentimetern um den Messpunkt darf kein Heizrohr liegen. Jede Messstelle kann nur einmal beprobt werden.
Reicht ein elektronisches Feuchtemessgerät statt der CM-Messung?
Nein, ein elektronisches Feuchtemessgerät reicht nicht als Nachweis der Belegreife. Es zeigt nur grob, wo der Estrich am feuchtesten ist. Maßgebend ist die CM-Messung an einer Probe aus dem Estrichquerschnitt, in Ausnahmefällen eine Darr-Probe im Labor.
