8 Punkte unterscheiden Zementestrich von Anhydritestrich
Zementestrich und Anhydritestrich sind beide mineralische Estriche, die eine Fachfirma mischt und einbaut. Der Name verrät das Bindemittel: Zementestrich bindet mit Zement ab. Anhydritestrich ist der ältere Name für den Estrich mit Gips als Bindemittel, Fachleute sagen auch Calciumsulfatestrich dazu. Aus diesem einen Unterschied im Bindemittel folgen acht weitere, und die Tabelle stellt sie nebeneinander.
Der Preis reicht von 18 bis 50 Euro je Quadratmeter, je nach Estrichart und ob eine Pumpe zum Einsatz kommt. Zementestrich braucht im Wohnraum mindestens 45 Millimeter Dicke, Anhydritestrich kommt mit 35 Millimetern aus. Ob ein Estrich schon einen Belag tragen darf, zeigt eine Messung. Ein Gerät presst eine Probe unter Druck und liest daran ab, wie viel Wasser noch drin ist, angegeben als CM-Prozent. Auch bei Fugen, Trockenzeit und Feuchte unterscheiden sich beide Estricharten deutlich.
| Merkmal | Zementestrich | Anhydritestrich |
|---|---|---|
| Bindemittel und Einbau | Zement, Sand und Wasser, meist direkt auf der Baustelle gemischt und eingebaut | Gips (Calciumsulfat), Gesteinskörnung und Wasser, im Werk gemischt und meist gepumpt |
| Dicke im Wohnraum | mindestens 45 Millimeter | mindestens 35 Millimeter |
| Fugen | braucht zusätzliche Fugen, die den Boden in Felder teilen, höchstens 6 Meter Abstand, bei Fußbodenheizung 40 bis 65 Quadratmeter je Feld | kommt ohne diese Fugen aus, nur Rand- und Bewegungsfugen, auch große Flächen bleiben fugenarm |
| Begehbar und belastbar | begehbar nach 2 bis 3 Tagen, voll belastbar nach 10 Tagen | begehbar nach etwa 24 Stunden, teilweise belastbar nach 48 Stunden |
| Frühestes Aufheizen der Fußbodenheizung | nach 21 Tagen | nach 7 Tagen oder nach Angabe des Herstellers |
| Wie trocken er für den Belag sein muss | 2,0 CM-Prozent unbeheizt, 1,8 beheizt | 0,5 CM-Prozent beheizt und unbeheizt, unter Parkett bei manchen Betrieben strenger: 0,3 |
| Feuchte und wo er hingehört | verträgt dauerhafte Feuchte, passt in Keller, Garage, Nassräume, ins Freie und auf Gefälleflächen | verträgt keine dauerhafte Nässe, nicht geeignet für Nassräume, Garagen, das Freie oder Gefälleflächen |
| Verformung und Preis | schwindet leicht und kann an den Rändern minimal hochstehen, unter Fliesen manchmal zusätzliche Bewehrung nötig, 20 bis 50 Euro je Quadratmeter verlegt | bleibt formstabil, keine Zusatzbewehrung nötig, 18 bis 45 Euro je Quadratmeter verlegt, dazu kommt die Pumpe |
Die Tabelle beantwortet die meisten Fragen, aber nicht die wichtigste: welcher Estrich in Ihren Raum gehört. Das entscheidet vor allem das Wasser. Wird ein Boden dauerhaft oder wiederholt nass, fällt Anhydritestrich weg. Überall sonst haben Sie die Wahl, und dann zählen Aufbauhöhe, Fußbodenheizung, Zeitplan und Fugen.
Warum Zementestrich eher reißt als Anhydritestrich
Zementestrich besteht aus Zement, Sand und Wasser. Beim Aushärten verbindet sich nur ein Teil des Wassers chemisch mit dem Zement, der Rest verdunstet. Beim Verdunsten zieht sich die Platte zusammen, das nennt man Schwinden. Die Oberfläche trocknet schneller als der Kern, deshalb heben sich die Ränder zuerst leicht an. Das geht später zurück, aber oft liegt der Belag da schon drauf, und die Randfuge reißt.
Fugen fangen dieses Schwinden auf, indem sie den Estrich in kleinere Felder teilen. Auf glattem Untergrund sollten die Felder nicht größer als 6 Meter in eine Richtung sein und möglichst quadratisch. Bei Fußbodenheizung liegen die Feldgrößen je nach Belag zwischen 40 und 65 Quadratmetern. Dazu kommt die Nachbehandlung: Der frische Zementestrich bleibt mindestens sieben Tage vor Zugluft, Sonne und Belastung geschützt, mit geschlossenen Fenstern. Feine Haarrisse an der Oberfläche gehen meist auf Zugluft zurück und sind kein Mangel, tiefe oder durchgehende Risse dagegen schon.
Anhydritestrich verhält sich beim Aushärten anders. Der Gips bindet das Wasser in seine Kristalle ein, dadurch härtet der Estrich fast ohne Spannung und ohne sich zu verformen aus. Er reißt kaum, braucht deshalb keine zusätzlichen Fugen und auch unter Fliesen und Naturstein keine Bewehrung. Der Preis für diese Ruhe ist die Empfindlichkeit gegenüber Nässe: Wird er über Jahre hinweg immer wieder durchfeuchtet, verliert er Festigkeit. Genau deshalb hat er seine Grenzen bei Feuchträumen. Den vollständigen Vergleich mit den Eigenschaften von Anhydritestrich finden Sie in einem eigenen Artikel.
Welcher Raum welchen Estrich braucht
Anhydritestrich ist nicht wasserempfindlich, aber auch nicht wasserfest. Ein einmaliger Wasserschaden macht ihm meist nichts, doch ständige oder wiederholte Nässe schon. Deshalb gehört er nicht ins Freie, nicht in Garagen, nicht in Nassräume wie Schwimmbäder oder Gemeinschaftsduschen und nicht auf Flächen mit Gefälle zum Ablauf. Ein Gefälle kann er ohnehin nicht bilden, weil er sich beim Einbau von selbst waagerecht verteilt. Diese Räume bekommen Zementestrich, der Feuchte verträgt und im Freien sogar frostsicher gemacht werden kann.
Häusliche Bäder, Küchen, Hauswirtschaftsräume und Keller sind für beide Estricharten offen. Voraussetzung ist bei jeder Art eine Abdichtung: im Bad von oben gegen Spritzwasser, im Keller gegen Feuchte von unten. Diese Abdichtung schützt vor allem die Dämmung darunter. Anhydritestrich braucht wegen seiner Formstabilität dabei sogar weniger Abdichtung an den Fugen als Zementestrich.
Anhydritestrich zeigt seine Stärken bei der Fußbodenheizung: Er umschließt die Heizrohre lückenlos und leitet Wärme gut weiter. Außerdem darf er schon nach 7 statt nach 21 Tagen aufgeheizt werden und kommt mit wenigen Fugen aus. Im Altbau zählt außerdem sein geringeres Gewicht bei 35 statt 45 Millimetern, die gesparte Höhe kann in mehr Dämmung unter dem Estrich fließen. Bei großen, offenen Grundrissen entfällt das Fugenraster, das bei Zementestrich unter Fliesen sichtbar bleibt.
Wird der Boden dauerhaft oder wiederholt nass, liegt er im Freien, in einer Garage oder in einem Nassraum, oder braucht er ein Gefälle zum Ablauf?
Nehmen Sie Zementestrich. Anhydritestrich darf keiner dauernden Nässe ausgesetzt werden und kann kein Gefälle bilden.
Liegt eine Fußbodenheizung im Aufbau, oder soll die Fläche groß und fugenarm bleiben?
Anhydritestrich passt gut: weniger Rohrüberdeckung, Aufheizen schon nach 7 statt 21 Tagen, keine zusätzlichen Fugen.
Ist die Aufbauhöhe knapp, oder trägt die Decke im Altbau nicht viel zusätzliches Gewicht?
Anhydritestrich passt gut: 35 statt 45 Millimeter, deutlich weniger Gewicht.
Ist die Fläche klein, etwa nur ein Raum, und würde die Pumpe für Anhydritestrich unverhältnismäßig teuer?
Zementestrich passt gut, aus Sackware vor Ort gemischt. Planen Sie sieben Tage Nachbehandlung ein.
Beide passen. Holen Sie zwei Angebote ein, eines je Estrichart, und vergleichen Sie Dicke, Fugenplan und den vorgegebenen Trockenheitswert.
Anhydritestrich ist dünner, aber nicht langsamer beim Trocknen
Wie dick ein Estrich mindestens sein muss, hängt vom Raum ab. In Wohnräumen und Fluren braucht Anhydritestrich mindestens 35 Millimeter, Zementestrich mindestens 45. In Büroflächen sind es 50 gegen 65 Millimeter, in Kellerräumen und Krankenhausfluren 60 gegen 70 Millimeter. Liegt die Dämmung darunter bis 40 Millimeter dick, dürfen beide 5 Millimeter dünner ausfallen, aber nie unter 30 Millimeter.
Der dünnere Estrich ist auch der schneller trockene. Bei doppelter Dicke dauert die Trocknung etwa drei- bis viermal so lange, und diese Regel gilt für beide Estricharten. Anhydritestrich hat zwar mehr Wasser beim Einbau, erreicht die nötige Trockenheit unter gleichen Bedingungen aber mindestens so schnell wie Zementestrich, weil er dünner ist und gleichmäßig durchtrocknet. Für Zementestrich gilt als grober Anhalt: 28 Tage bis er einen Belag tragen darf, bei mehr als 50 Millimetern Dicke pro weiterem Zentimeter mindestens 5 Tage mehr.
Für beide gilt außerdem: Die Kalenderzahl ist nur ein Anhalt, die Messung mit dem CM-Gerät entscheidet. Und beide trocknen nur, wenn auf der Baustelle gelüftet wird. Die Estrichoberfläche muss mindestens 3 Grad wärmer sein als der Taupunkt der Raumluft, sonst bleibt die Feuchte im Estrich stecken. Bei 20 Grad Raumtemperatur und halber Luftfeuchte braucht die Oberfläche also mindestens gut 12 Grad.
Beide Estriche sind erst belegreif, wenn die Messung es zeigt
Belegreif ist ein Estrich, wenn er trocken genug, fest und nicht mehr am Schwinden ist. Für die Trockenheit zählt die CM-Messung: Eine Probe aus dem Estrich reagiert in einer Druckflasche mit einer Chemikalie, und der entstehende Druck zeigt den Wassergehalt an. Als Richtwert gilt für Zementestrich 2,0 CM-Prozent unbeheizt und 1,8 beheizt, für Anhydritestrich 0,5 CM-Prozent, beheizt wie unbeheizt.
Viele Boden- und Parkettleger setzen unter empfindlichen Belägen wie Parkett, Laminat oder textilen Belägen strengere Werte an. Bei Zementestrich bleibt es bei 2,0 unbeheizt und 1,8 beheizt, bei Anhydritestrich verlangen sie unter beheiztem Parkett sogar 0,3 statt 0,5. Auch die Probenmenge unterscheidet sich: 50 Gramm bei Zementestrich, 100 Gramm bei Anhydritestrich, abgelesen 10 Minuten nach dem Verschließen der Flasche.
- Zementestrich, unbeheizt, unter Teppich, Vinyl oder Laminat: höchstens 2,0 CM-Prozent.
- Zementestrich, beheizt: höchstens 1,8 CM-Prozent, unter Parkett teils 1,6.
- Anhydritestrich, unbeheizt: höchstens 0,5 CM-Prozent.
- Anhydritestrich, beheizt: 0,5 CM-Prozent als Richtwert, unter Parkett und Laminat verlangen viele Betriebe 0,3.
- Unter Fliesen auf Zementestrich gilt 2,0 CM-Prozent, im Dickbett verlegt 3,0.
So finden Sie in 6 Schritten den richtigen Estrich
- Räume nach Wasser sortieren: Außenbereiche, Garage, Nassraum und Gefälleflächen bekommen Zementestrich. Alle anderen Räume bleiben in der Wahl.
- Fußbodenheizung klären: Mit Heizung spricht vieles für Anhydritestrich, weil er die Rohre lückenlos umschließt und früher aufgeheizt werden darf.
- Aufbauhöhe und Deckenlast prüfen: Bei knapper Höhe oder einer Holzbalkendecke bringt Anhydritestrich 10 Millimeter weniger und entsprechend weniger Gewicht.
- Belag festlegen: Unter Parkett und Vinyl zählt der strengere Trockenheitswert, unter Fliesen muss bei Zementestrich der Fugenplan mitgedacht werden.
- Zeitplan rechnen: Zementestrich braucht 21 Tage Liegezeit vor dem Heizen und als Anhalt 28 Tage bis zur Belegreife. Anhydritestrich ist nach 24 Stunden begehbar und darf nach 7 Tagen geheizt werden. Die CM-Messung entscheidet in beiden Fällen den genauen Termin.
- Zwei Angebote einholen, je eines pro Estrichart, mit gleicher Dicke, gleicher Dämmung und gleichem Fugenplan, und bei kleinen Flächen die Pumpenpauschale mit einrechnen.
Am Ende bleibt es eine Wahl zwischen zwei bewährten Baustoffen. Anhydritestrich deckt in Deutschland etwa 30 Prozent des Marktes ab, Zementestrich den größeren Rest. Wer beide dort einsetzt, wo ihre Stärken liegen, bekommt einen Boden, der lange hält. Wer Anhydritestrich ohne Abdichtung in die Waschküche legt oder Zementestrich ohne Fugenplan unter eine große Fliesenfläche, riskiert Nachbesserung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Zementestrich und Anhydritestrich?
Zementestrich bindet mit Zement, Anhydritestrich mit Gips. Zementestrich verträgt Feuchte, braucht Fugen und mindestens 45 Millimeter Dicke im Wohnraum. Anhydritestrich bleibt formstabil, kommt mit 35 Millimetern und wenigen Fugen aus, ist nach 24 Stunden begehbar, darf aber nicht dauerhaft nass werden.
Welcher Estrich passt besser zur Fußbodenheizung, Zement oder Anhydrit?
Für Fußbodenheizung eignet sich Anhydritestrich besonders gut, weil er die Heizrohre lückenlos umschließt, Wärme gut weiterleitet und schon nach 7 statt nach 21 Tagen aufgeheizt werden darf. Zementestrich funktioniert als Heizestrich ebenfalls, braucht aber Fugen, die kein Heizrohr kreuzen darf, in Feldern von 40 bis 65 Quadratmetern.
Darf Anhydritestrich in Keller und Bad verlegt werden?
Ja, mit Abdichtung: im Bad von oben gegen Spritzwasser, im Keller von unten gegen Bodenfeuchte. Nicht geeignet ist Anhydritestrich für Nassräume wie Schwimmbäder oder Gemeinschaftsduschen, für Garagen, das Freie und Duschbereiche mit Gefälle.
Wie dick muss Zementestrich im Vergleich zu Anhydritestrich sein?
Zementestrich braucht im Wohnraum mindestens 45 Millimeter Dicke, Anhydritestrich mindestens 35 Millimeter. In Büroflächen sind es 65 gegen 50 Millimeter. Liegt die Dämmung darunter bis 40 Millimeter dick, dürfen beide 5 Millimeter dünner sein, aber nie unter 30 Millimeter.
Welcher Estrich trocknet schneller, Zement oder Anhydrit?
Anhydritestrich erreicht die nötige Trockenheit mindestens so schnell wie Zementestrich, weil er dünner ist und gleichmäßig durchtrocknet. Als Heizestrich geht es deutlich schneller, weil er schon nach 7 statt nach 21 Tagen aufgeheizt werden darf. Für Zementestrich gilt als Anhalt: 28 Tage bis zum Belag bei Dicken bis 50 Millimeter. In beiden Fällen entscheidet am Ende die CM-Messung.
Ist Anhydritestrich teurer als Zementestrich?
Nein, nicht zwingend. Anhydritestrich kostet verlegt etwa 18 bis 45 Euro je Quadratmeter, Zementestrich 20 bis 50 Euro. Bei Anhydritestrich kommt oft noch eine Pumpenpauschale von 200 bis 400 Euro hinzu, bei Zementestrich unter Fliesen manchmal eine Bewehrung für 3 bis 5 Euro je Quadratmeter.
